Trotz Allem- Migration in die Kolonialmetropole Berlin

Freitag, 21.10.2022 bis Sonntag, 02.04.2023

Ausstellung, Berlin

FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Adalbertstraße 95A, 10999 Berlin-Kreuzberg

Schon das Deutsche Kaiserreich war eine Migrationsgesellschaft. Gleichzeitig gab es für Migrant:innen keine einheitlichen Regelungen für Aufenthaltsrecht, Zugehörigkeit und Staatsangehörigkeit; ohne Staatsangehörigkeit drohte ihnen stets Ausweisung. Obwohl Deutschland 1884 formal zur Kolonialmacht wurde, war die Einwanderung von Menschen aus Kolonien nicht vorgesehen. Trotzdem kamen Menschen aus kolonialen Kontexten nach Berlin. Sie kamen beispielsweise als Darsteller:innen für sogenannte Völkerschauen, als Sprachlehrer, als Bedienstete, in Missionskontexten sowie zur Ausbildung. Oftmals kamen sie mit dem Bewusstsein als Reichsangehörige - auch, um die ungerechte und oftmals gewaltförmige Kolonialherrschaft vor Ort zu kritisieren und Veränderungen anzustoßen. Im Alltag waren sie in vielen Lebensbereichen mit Rassismus konfrontiert. Trotzdem blieben einige, gründeten Familien, waren Teil der Berliner Gesellschaft und stießen soziale Veränderungen und Geschichtsentwicklungen mit an.

Die Ausstellung geht den Migrationsprojekten, Lebensrealitäten, Selbstermächtigungsprojekten und politischen Aktivitäten von Menschen nach, die im Kolonialenkontext ins Deutsche Reich kamen. Die Ausstellung zeigt, dass Berlin vor und nach dem formalen Kolonialregime die Hauptstadt eines deutschen Imperialstaats mit globalem Geltungsdrang war. Mit ihren Präsenzen wurden die eingewanderten Menschen Bestandteil der Gesellschaft und handelten Zugehörigkeits-, Freiheits- und Rechtefragen immer wieder neu aus.

Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt von Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt und dem FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum. Wissenschaftliche Mitarbeit: Anujah Fernando, Laura Frey, Bebero Lehmann, Filip Wilhelm.

Es wird gefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, der Kulturstiftung des Bundes und dem Bezirkskulturfonds.

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