Fidschi: Familienalltag im Homestay

Montag, 19.10.2026, 18:30 Uhr bis 20:30 Uhr

Flussschifferkirche Hamburg, Pazifikgruppe Hamburg

Karoline Korring ist vor kurzem von einer fast dreimonatigen Reise aus Fidschi zurückgekommen, wo sie auf unterschiedlichen Inseln überwiegend in Homestays, also Unterkünften im Dorf bei einer Gastfamilie, gelebt und unglaublich freundliche Menschen kennengelernt hat.
Diskussionspunkte innerhalb der Familien waren oft Fragen des Landbesitzes: Die indigene Bevölkerung, die iTaukei, haben von jeher ein besonderes spirituelles Verhältnis zum Land der Familie („Vanua“) und zum Meer. Das Land ist unveräußerlich, wurde jedoch nicht selten zu Kolonialzeiten widerrechtlich an Briten verkauft, auch durch eigene Chiefs. Wenn es den iTaukei gelingen sollte, alles Land wieder in ihren Besitz zu bringen, wäre dies existenzbedrohend für die Indo-Fidschianer, die Nachfahren der von der britischen Kolonialmacht ins Land gebrachten Arbeitskräfte aus Indien, die auf gepachtetem Land heute große Plantagen betreiben (Zuckerrohr, Kokosnuss, Kakao, Bananen). Heute ist die Plantagenwirtschaft bereits gefährdet durch ungewohnte Wasserknappheit aufgrund der Klimakrise. Die Auswirkungen des Klimawandels führen ebenfalls zu Landverlusten, einige unbewohnbar gewordene Gebiete mussten bereits aufgegeben werden. Dies und die Gefahr von sehr starken Wirbelstürmen (von denen Fidschi in diesem Jahr verschont blieb) waren ein weiteres Thema in den Familiengesprächen. Fidschi mit seinen knapp 1 Mio. Einwohnern im weiten Meer des Südpazifiks ist ein „Melting Pot“. Neben den iTaukei und den Indo-Fidschianern leben auch Bevölkerungsgruppen anderer pazifischer Inseln auf Fidschi und viele Familien verweisen gerne auf ihre multi-kulturelle Abstammung. Nach außen wirkt diese multikulturelle Gesellschaft sehr harmonisch, bei genauerem Hinsehen eröffnen sich jedoch Parallelgesellschaften. Traditionelle gesellschaftliche Strukturen bestimmen den Alltag (Chief-System) genauso wie die enge Eingebundenheit in religiöse Strukturen: Christliche Kirchen aller Schattierungen, Hinduismus und Islam prägen die Gesellschaft einschließlich aller Bildungseinrichtungen.

Bei den politischen Akteuren wechseln Verzweiflung und Optimismus in Bezug auf die globale Diskussion bei den UN-Klimakonferenzen. Auf die nächste in der Türkei stattfindende Klimakonferenz (COP 31) bereiten sich die südpazifischen Staaten gemeinsam vor, in der Hoffnung, mit ihrer prekären existenziellen Lage mehr Gehör zu finden.
Wo Fidschi, das für seine Putsch-„Kultur“ berüchtigt ist, derzeit innenpolitisch steht und wie sich die geopolitische Lage zwischen den Interessen von USA, China, Australien und anderen Ländern, inzwischen auch Deutschland, auswirkt, dazu wird Eckart Garbe ergänzend berichten.
Ort: Seminarraum auf dem Ponton neben der Flussschifferkirche, Hohe Brücke 2, 20459 Hamburg
Nähere Infos bei Ingrid Schilsky: ueckert-schilsky@t-online.de

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