Ein Umweltaktivist zu Gast in der Pazifik-Infostelle
05.02.2026: Ex-Minenarbeiter Stanley Kaka erklärt Bild des PNG-Malers Mathias Kauage
Im vergangenen Jahr hatten wir in der Pazifik-Infostelle einen besonderen Gast aus Papua-Neuguinea.
Stanley Kaka
Stanley Kaka stammt aus einem Dorf unweit des Gebiets Porgera in der Hochlandprovinz Enga. Er hat jahrelang als chemisch-technischer Laborassistent für den Bergbaukonzern Porgera Mining in der gleichnamigen Gold- und Kupfermine gearbeitet. Dort hat er die Gewerkschaft „Porgera Mine Allied Workers Union“ gegründet. Diese war u.a. erfolgreich, als es um die Einleitung von giftigen Chemikalien in die Flüsse rund um die Mine ging. Durch die Chemikalien verfärbten sich die Flüsse rot. Diese Umweltverschmutzung konnte auch Mitte der 1990er Jahre der ehemalige Mitarbeiter von Mission EineWelt, Wolfgang Wendt, aus der Luft fotografieren.
Der "rote" Lagaip-River
Die Minengesellschaft hat feindselig auf Stanleys Engagement für mehr Umweltschutz reagiert. Weil häufig die Rechte von Mitarbeitenden und anderen auf dem Gelände Lebenden, insbesondere von Frauen, missachtet wurden, mehrten sich gewerkschaftliche Beschwerden beim Minen-Management. Das gefiel den Vorgesetzten nicht und als es in einem Stollen des Bergwerks zu Zusammenstößen kam, beschuldigten sie Stanley, zu den Drahtziehern zu gehören und kündigten ihm fristlos. Doch das konnte den rührigen Gewerkschaftler nicht stoppen. Kaka äußerte seine Kritik weiter öffentlich und organisierte Protestaktionen in den umliegenden Dörfern, bei denen es um Land- und Menschenrechte sowie Umweltthemen ging.
Seines Erachtens haben die Konflikte in Porgera zwei Ursachen: Zum einen die erheblichen Umweltschäden, und zum anderen sei seinerzeit beim Bau der Mine Ende der 1980er Jahre zugesagt worden, dass die Ortsansässigen aus dem Minengebiet vernünftig umgesiedelt werden. Das sei jedoch nie passiert. Einige Bewohner*innen wurden in neu erbaute Hütten in den Hügeln oberhalb des inzwischen verwüsteten Tals umquartiert und rutschen nun nach und nach die Hänge herab, weil überall Erze abgebaut werden und die Landschaft in Form von ständigen Erdrutschen erodiert. Andere seien aus Trotz in ihren alten Hütten wohnen geblieben und leben weiterhin auf ihrem angestammten Gebiet, das nun zugleich Operationsgebiet von Porgera Mining ist. Wegen des Zuzugs von Ortsfremden sei es räumlich eng im Porgera-Tal geworden. Dies habe zu Streit zwischen den alteingesessenen und den neu zugezogenen Minenangestellten geführt und letztlich dazu, dass die Betreiberfirma ihren privaten Wachdienst und die Polizei einsetzte gegen die dort lebenden Menschen und gegen Umweltschutz-Aktivisten wie ihn, die mundtot gemacht werden sollten.
Irgendjemand (die Minengesellschaft?) hatte dann letztes Jahr eine lokale Polizeieinheit beauftragt und bezahlt, die ihn in seinem Haus überfallen, schwer verprügelt und ihm Kamera, Laptop und Unterlagen weggenommen hat, so dass seine Familie um Leib und Leben fürchten musste und in die Hauptstadt Port Moresby floh. Stanley selbst fand Zuflucht im besagten deutschen Schutzprogramm.
Bei seinem mehrtägigen Besuch in Neuendettelsau half Stanley Kaka einerseits bei der Inventarisierung von Objekten aus der Region Enga, die Mission EineWelt zugefallen waren. Anderseits erklärte er ausführlich das Progera-Minenbild des neuguineischen Malers Mattthias Kauage aus dem Jahr 1996. Mehr als die Eckdaten hatten wir zu diesem Bild nicht. Stanley konnte unsere „Bildungslücken“ füllen, was einzelne Bildmotive bedeuteten. Er benannte die Muscheln, die Frauen aus den vergifteten Flüssen angelten, und die Feldfrüchte in der lokalen Enga-Sprache. In der Bildkomposition erkannte er sogar eine traditionelle Hochland-Mythe wieder. Während wir im Helikopter die einfliegenden Minenarbeiter zu erkennen glaubten, überlegte Stanley, ob es sich nicht auch um Ahnen handeln könne, die entsetzt auf das Werk der Zerstörung blicken. Er demonstrierte die Nutzung der abgebildeten Werkzeuge am eigenen Leib und kam zurück auf die nicht eingehaltenen Versprechen des Minenbetreibers nach Entschädigungszahlungen und der Umsiedlung der Menschen in sichere Hütten außerhalb des von Erdrutschen bedrohten Minengebietes.
Stanleys ausführliche Erklärungen zu dem Bild von Mathias Kauage, das 2001 von Mission EineWelt käuflich erworben wurde, finden sich auf dem Instagram-Kanal der @pazifik_infostelle und auf Facebook

