Hiroshima und Nagasaki: Erinnerungskulturen in Japan und die heutige Debatte um die nukleare Aufrüstung
06.08.2026: Veranstaltung der Pazifikgruppe Hamburg
Überlebende der etwa 315 Atombombentests auf pazifischen Inseln teilen auf verschiedenen Konferenzen immer wieder ihre Erfahrungen mit den „Hibakusha“, den Überlebenden der Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki. Zum Hiroshima-Gedenken 81 Jahre danach erinnern die Hamburger Pazifikgruppe und die IPPNW-Regionalgruppe an die damaligen Ereignisse und blicken auf aktuelle und besorgniserregende Entwicklungen.
Brigitte Drescher und Detlef Garbe, die sich in früheren Jahren intensiv mit der Geschichte der Atombombenabwürfe 1945 beschäftigt haben und in diesem Frühjahr Japan bereisten, berichten, nach einem kurzen historischen Rückblick, über das heutige Opfergedenken in Hiroshima, über den Friedenspark mit seinen alten und neuen Mahnmalen, das Friedensmuseum und die zuletzt entstandene „National Peace Memorial Hall for the Atomic Bomb Victims“, in der die Namen und Biografien der Opfer und die Erinnerungen der Überlebenden und Angehörigen gesammelt und bewahrt werden.
Im starken Kontrast dazu stehen die Eindrücke vom Besuch des Yasukuni-Jinja Schreins in Tokyo, der die Seelen der Soldaten und die japanischen Kriegshelden ehrt, und des staatlichen Militärmuseums Yushukan. Sowohl die religiöse Überhöhung im Schrein wie die Ausstellung des benachbarten Museums sind geschichtspolitisch (vor allem seitens ausländischer Beobachter:innen) hoch umstritten, die Deutungen Ausdruck eines fortbestehenden japanischen Nationalismus.
Ute Rippel-Lau hat einen der ersten Kongresse der ärztlichen Friedensorganisation IPPNW miterlebt, der Anfang der 1980er-Jahre angesichts katastrophenmedizinischer Planungen für den Fall eines Atomkrieges den Titel trug: „Wir werden Euch nicht helfen können“. Die Politik hatte die Katastrophenmedizin entdeckt; sie sollte einen Atomkrieg handhabbar erscheinen lassen. Ein damals geplantes Gesundheitssicherstellungsgesetz konnte nach massivem Protest verhindert werden. Noch in diesem Sommer soll nun ein solches Gesundheitssicherstellungsgesetz verabschiedet werden – in einer Zeit, in der die Atomkriegsgefahr so groß ist wie nie, in der mehrere Atommächte in Kriege verwickelt sind, alle Atomwaffenstaaten immense Summen in ihre nukleare Aufrüstung stecken, fast alle Abrüstungsverträge beendet und Gesprächskanäle gekappt wurden. Die Debatten um die europäische Atombewaffnung und die nukleare Kooperation mit Frankreich zeigen, wie das nukleare Tabu gegenwärtig gefährlich bröckelt.
Brigitte Drescher war Lehrerin an einer Beruflichen Schule in Hamburg, Detlef Garbe, Historiker, leitete von 1989 bis 2019 die KZ-Gedenkstätte Neuengamme in Hamburg. Gemeinsam haben sie 1982 das Buch „Es begann in Hiroshima“ veröffentlicht. Ute Rippel-Lau ist Ärztin für Allgemeinmedizin, langjähriges Mitglied und ehemaliges Vorstandsmitglied der Friedensorganisation IPPNW.
Ort: Seminarraum auf dem Ponton neben der Flussschifferkirche, Hohe Brücke 2, 20459 Hamburg
Nähere Infos bei Ingrid Schilsky: ueckert-schilsky@t-online.de

