Die skandalöse aktuelle Situation des Instituts für Ethnologie / der Ethnologischen Sammlung der Universität Göttingen

28.05.2026: Ein Hilfsappell

Die seit nunmehr rund acht Jahren ungeklärte und prekäre Situation des Instituts für Ethnologie und seiner in Fachkreisen weltweit hochgeschätzten Sammlung am Theaterplatz 15, hat sich mittlerweile dramatisch zugespitzt.

Der ehemalige Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Thomas Oppermann, SPD (+ 2020) und MdB Fritz Günzler, CDU, hatten beim Bund (BKM) Fördermittel in Höhe von einer Millionen Euro eingeworben, die für eine Neugestaltung der Dauerausstellung am Theaterplatz vorgesehen war. Auf Anweisung des Präsidiums und Dekanats der Sozialwissenschaftlichen Fakultät wurden diese aber nicht abgerufen und sind zum 31.12.2025 verfallen. Allein dieses Verhalten ist skandalös! Stattdessen steht ein "Zwangsumzug", aber nur eines kleinen Teils der Ethnologischen Sammlung in das „Forum Wissen“ (dem ehemaligen Zoologischen Institut) im Raum.

Seit Mai 2025 sind der Vorstand des Instituts für Ethnologie sowie der Kustos der Ethnologischen Sammlung von allen diesbezüglichen Überlegungen und Neuplanungen komplett ausgeschlossen worden. Offenbar wurden die geänderten Konzepte ohne Kenntnis der Ethnologie beim zuständigen niedersächsischen Ministerium im Oktober 2025 eingereicht, aber erst im April dieses Jahres wurden die neuen Pläne dem Institut für Ethnologie zugesandt. Die Vorstellung des beabsichtigten Einzugs eines Teils der Ethnologischen Sammlung im „Forum Wissen“ ist indes an Absurdität kaum zu überbieten, denn eine Teilhabe an den dortigen Budget- und Personalstrukturen wird abgelehnt. Die im „Forum Wissen“ tätigen Restauratorinnen dürfen zum Beispiel nicht für die Sammlungen der Universität Göttingen arbeiten, auch nicht im Falle eines Umzugs.

Es ist völlig unklar bzw. eigentlich unvorstellbar, wie die Ethnologie einem doppelten Standort (Magazine, Seminarräume und evtl. auch eine Sonderausstellungsfläche sollen am Theaterplatz bleiben) mit einem Personalbestand von (mittlerweile nur noch) zwei Fachkräften arbeitstechnisch gerecht werden könnte. Seitens der Ethnologie wurde auf verschieden Wegen versucht, gegen diese absurden Entscheidungen vorzugehen. Aber die Ethnologische Sammlung ist geschlossen / magaziniert. Das „Forum Wissen“ hingegen präsentiert sich in der Öffentlichkeit. In letzterem gibt es 20-25 Angestellte, in ersterer nur noch zwei.

Es ist entlarvend, dass man am teuer errichteten „Forum Wissen“ nur die ethnographischen Highlights mit Weltgeltung zeigen möchte, wohl zur Aufwertung der Einrichtung an der Berliner Straße. Aktuell würde die Ethnologie die kleinste dort vorhandene Fläche erhalten, nämlich 360 m² (sozusagen die „Resterampe“, viel weniger als am alten Standort!). Mit einer dortigen Ausstellung der Cook/Forster-Sammlung im Umfang von ca.500 Kulturzeugnissen aus dem Pazifischen Raum aber würde man wohl den öffentlichen Druck (zwecks Weiterfinanzierung des „Forum Wissen“) aus der ganzen Angelegenheit nehmen.

Der „Rest“ der Ethnologischen Sammlung ist den allermeisten Personen auf der Leitungsebene offenbar völlig egal. Aber dieser „Rest“ umfasst 98% der Ethnologischen Sammlung. Es geht somit um die Göttinger Ethnologische Sammlung als Gesamtheit! Allein der Altbestand aus der Zeit des Academischen Museums (1773 – 1842) umfasst ca. 2000 Objekte allerhöchster Güteklasse, um die große Museen weltweit die Göttinger Sammlung beneiden.

Stirnschmuck der Marquesas-Inseln

Zur Einordnung der sich anbahnenden Fehlentwicklung: Ursprüngliches Ziel war eigentlich der Erhalt des international renommierten ethnologischen Multifunktions-komplexes im Gebäude am Theaterplatz (Magazine und Inventarisierungs- / Dokumentationsplätze, Sonderausstellungen, Dauerausstellung, Seminar- und Arbeitsräume, Werkstätten und Fotostudio, Praktikums- und museumspädagogische Einrichtungen, Bibliothek, Büros). In diesem aufgrund seiner Bauhauselemente aus architektonischer und städtebaulicher Sicht schützenswerten Bau sollte auch weiterhin die Möglichkeit geboten werden, Studierende umfassend und berufsqualifizierend auszubilden, was mit großem Erfolg bis in die jüngste Vergangenheit und auch unter immer größer werdenden Widerständen bis heute geschehen ist.

Ein Umzug der Ethnologischen Sammlung vor dem Hintergrund der genannten Vorteile des alten Standortes am Theaterplatz in das Millionengrab „Forum Wissen“ dürfte wohl jedem als ein Schritt in die falsche Richtung einleuchten! Die Möglichkeiten einer dortigen umfassenden Umsetzung vernünftiger und angemessener Konzepte erscheinen unter den im „Forum Wissen“ geschaffenen Strukturen einfach nicht adäquat realisierbar, ebenso wenig in finanzieller, arbeitstechnischer wie auch platzmäßiger Hinsicht.

Die Negativfolgen für die universitären Sammlungen durch die neue Zentralisierung dort sind ohnehin schon jetzt immens. „Versprochen“ war die Beibehaltung der dezentralen Struktur und ein „Forum Wissen“, das als „Leuchtturm“ positiv auf die Sammlungen ausstrahlt. Faktisch ist die Einrichtung eher ein Monolith, welche die Sammlungen in den Schatten stellt bzw. sie wie ein Staubsauger aufsaugt.

Nur wenn die breite Öffentlichkeit von der skandalösen und absurden Situation der Ethnologie / der Ethnologischen Sammlung in Kenntnis gesetzt wird, Kulturpolitiker darauf aufmerksam werden, kann die negative Entwicklung vielleicht noch aufgehalten und abgewendet werden. Dafür sind zum Beispiel Berichte in den öffentlichen Medien, der (über-)regionalen Presse und auch den sozialen Netzwerken hilfreich.

Wer hier Möglichkeiten der Unterstützung sieht, kann sich bitte gerne melden bei Julia Ratzmann (E-Mail: pazifik-infostelle@elkb.de) und erhält dann den detaillierten Hilfsappell zwecks Bearbeitung / Weiterleitung.

Herzlichen Dank (Unterstützer*innen der Ethnologischen Sammlung in Göttingen)