VEM-Aufsichtsrat verabschiedet Erklärung zur Lage in Papua

25.03.2026: Internationale Kirchengemeinschaft tagte vom 9. bis 16. März 2026 in Westpapua und fordert Ende der Gewalt sowie ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe

(Sitzung des VEM-Rates im März 2026 in Papua)

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Micha 6,8) [br]

Geleitet vom biblischen Aufruf zur Gerechtigkeit und der Überzeugung, dass jeder Mensch nach dem Bild Gottes geschaffen ist, bringt der Rat der Vereinten Evangelischen Mission (VEM), bestehend aus Mitgliedern aus Afrika, Asien und Deutschland, seine Besorgnis über die Lage der Menschen und Kirchen in Papua zum Ausdruck. Als Gemeinschaft von Kirchen, die sich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen, hören wir aufmerksam auf die Stimmen unserer Mitgliedskirche in Papua, der Gereja Kristen Injili di Tanah Papua (GKI-TP), und auf die indigenen Gemeinschaften, die anhaltender Gewalt, Vertreibung und Umweltzerstörung ausgesetzt sind.

Als weltweite Gemeinschaft von Kirchen bekräftigen wir, dass das Evangelium Jesu Christi uns dazu aufruft, denen beizustehen, die Ungerechtigkeit erfahren. Im Vertrauen darauf, dass Gott die Schreie der Unterdrückten hört (vgl. 2. Mose 3,7), verpflichten wir uns, Gerechtigkeit, Frieden und die Würde aller Menschen zu fördern und konstruktive sowie friedliche Bemühungen zu unterstützen, die zum Wohlergehen der Gemeinschaften in Papua beitragen. Die Lage in Papua hat sich zu einer vielschichtigen humanitären Krise zugespitzt, in der systemische Unterdrückung einen verheerenden Kreislauf aus Gewalt und Vernachlässigung erzeugt. Unter dem Deckmantel nationaler Sicherheit wird die indigene Bevölkerung Papuas auf das bloße Überleben reduziert und ihrer Grundrechte beraubt. Dies ist keine abstrakte Bedrohung, sondern gegenwärtige Realität: Gewaltsame Unterdrückung und Militäroperationen haben über 103.000 Menschen in die Flucht getrieben.

Gleichzeitig führen nationale Entwicklungsprojekte wie das Merauke Food Estate zu einem anhaltenden Ökozid und Ethnozid, indem sie systematisch das angestammte Land, die Nahrungsgrundlagen und die kulturelle Identität indigener Gemeinschaften wie der Malind zerstören. Hinzu kommt ein gravierendes Versagen der öffentlichen Grundversorgung: Papua verzeichnet die höchste HIV/AIDS-Prävalenz in Indonesien, und schätzungsweise 700.000 Kindern wird durch mangelnde Bildung eine Zukunft ver wehrt.Diese Entwicklungen sind keine isolierten Probleme, sondern verflochtene Facetten einer einzigen tiefgreifenden Krise, die eine entschlossene Reaktion der Weltge meinschaft erfordert.

In diesem Zusammenhang würdigt der Rat der VEM die Stärke und Widerstandsfähigkeit der Menschen in Papua und schließt sie in seine Gebete ein. Wir ermutigen unsere Schwestern und Brüder in Papua, die Hoffnung zu bewahren und ihren Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit fortzusetzen. Wir fordern die Beendigung jeglicher Form von Gewalt sowie einen sicheren und ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe zu den betroffenen Gemeinschaften. Wir treten für die Fortsetzung eines offenen, inklusiven und würdevollen Dialogs unter gleichberechtigter Beteiligung der indigenen Gemeinschaften ein. Wir unterstützen zudem Bemühungen um eine transparente Überwachung und verantwortungsvolle Bewertung von Entwicklungsinitiativen, insbesondere solcher mit erheblichen ökologischen und sozialen Auswirkungen.

Wir rufen alle VEM-Mitglieder auf, die Situation in Papua im Blick zu behalten – durch Öffentlichkeitsarbeit, die Unterstützung von Forschung zu den wirtschaftlichen und so zialen Verhältnissen in der Region sowie die Förderung von Initiativen, die Bildung, Selbstbestimmung und die Resilienz der Gemeinschaften stärken. Wir ermutigen unsere Mitglieder zudem, die Menschen in Papua im Gebet und in Solidarität zu begleiten.