Außenminister Wadephul in Tonga: Deutschland will die Zusammenarbeit mit dem Pazifik stärken und ein strategischer Partner für den Pazifik sein
17.02.2026: Ein Beitrag von Oliver Hasenkamp, Vorstandsmitglied Pazifik-Netzwerk, Berlin
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul hat vom 3. bis zum 4. Februar 2026 den pazifischen Inselstaat Tonga besucht. Das Land war eine der Stationen einer größeren Asien-Pazifik-Reise, die ihn auch nach Australien Neuseeland, Singapur und Brunei führte. Während seines Aufenthalts in der tongaischen Hauptstadt Nukuʻalofa traf Wadephul unter anderem mit Seiner Majestät König Tupou VI. von Tonga und dem tongaischen Premierminister Lord Fakafanua zusammen.
Der Besuch verdeutlicht einmal mehr die deutlich intensivierte Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den pazifischen Inselstaaten. Denn jahrzehntelang setzte kein einziger deutscher Minister jemals einen Fuß auf den Boden eines pazifischen Inselstaats. Der Tonga-Besuch nun ist allerdings bereits der dritte hochrangige deutsche Pazifik-Besuch seit 2022, als die damalige deutsche Außenministerin Annalena Baerbock als erste deutsche Vertreterin ihres Rangs mit Palau einen der pazifischen Inselstaaten besuchte. Zwei Jahre später folgte ihr Besuch in Fidschi, wo kurz zuvor auch eine deutsche Botschaft eröffnet worden ist. Ein erster Anlauf für den Fidschi-Besuch war wenige Monate zuvor wegen Problemen mit dem deutschen Regierungsflieger noch vorzeitig in Dubai geendet.
Dass nun auch Wadephul noch im ersten Jahr seiner Amtszeit einen der pazifischen Inselstaaten besucht, ist ein deutliches Zeichen, dass Deutschland die Intensivierung der diplomatischen Beziehungen mit dem Pazifik fortsetzen möchte. Anders als alle anderen pazifischen Inselstaaten war Tonga nie eine vollumfängliche Kolonie und hat sich stets ein gewisses – wenn auch zeitweise stark eingeschränktes – Maß an Souveränität bewahrt. Deshalb dient ein in diesem Jahr bereits 150 Jahre altes Freundschaftsabkommen zwischen Tonga und Deutschland als ein besonderer Anlass für den Regierungsbesuch.
Klimaaußenpolitik, die Pacific Resilience Facility und die deutsche Kandidatur für den UN-Sicherheitsrat
Der Besuch ist gleich aus mehreren Gründen von Bedeutung für die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den pazifischen Inselstaaten insgesamt: So kandidiert Deutschland derzeit erneut für einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat in den Jahren 2027 und 2028. Als ein Land, dass sich in der Vergangenheit – auch gegen den Gegenwind anderer Staaten – für die Behandlung des Klimawandels als Sicherheitsthema in dem mächtigsten Gremium der Vereinten Nationen eingesetzt hat, hofft Deutschland auch bei der Wahl, die im Juni 2026 stattfindet, erneut auf die Stimmen der pazifischen Inselstaaten. Der Besuch von Wadephul im Pazifik und einige seiner Aussagen während der Reise können als weiteres Indiz gewertet werden, dass das deutsche Außenministerium weiterhin grundsätzlich an dem von Wadephuls Vorgängerin Baerbock eingeführten Konzept der Klimaaußenpolitik festhält. Dieses Leitmotiv der deutschen Außenpolitik ist für die pazifischen Staaten von großer Bedeutung, auch wenn es weiterhin in der Praxis schwer greifbar ist und durch strategische Interessen der deutschen Außenpolitik immer mehr an den Rand gedrängt zu werden droht. Das grundsätzliche Beibehalten der Klimaaußenpolitik ist dennoch bemerkenswert, weil dieser Anspruch mittlerweile mehr noch als in der Vergangenheit in einem gewissen Widerspruch zum rückläufigen Handeln beim Klimaschutz der Bundesregierung insgesamt steht.
In Tonga wird in diesem Jahr die sogenannte Pacific Resilience Facility (PRF) ihre Arbeit aufnehmen, ein regionaler Finanzierungsfonds für Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, die Katastrophenvorsorge und die Stärkung der Widerstandsfähigkeit der pazifischen Staaten. Der Fonds wurde vom Pacific Islands Forum als wichtigster pazifischer Regionalorganisation eingerichtet und soll unbürokratisch Finanzmittel für Projekte im Pazifik bereitstellen und dabei eine Einrichtung sein, die „Pacific-led“ ist und nicht von ausländischen Geldgebern kontrolliert wird. Zwar hat Deutschland bisher erst recht überschaubare 5 Millionen Euro für den Fonds angekündigt, dennoch unterstreicht die Pacific Resilience Facility ein wichtiges Motiv für den Besuch Wadephuls auf Tonga: Denn wichtiger noch als die Würdigung des 150 Jahre alten Freundschaftsvertrags mit Tonga dürfte für Deutschland sein, gegenüber dem gesamten Pazifik das Signal zu senden, die Zusammenarbeit weiter ausbauen zu wollen und dabei insbesondere pazifische Initiativen und den Klimawandel in den Mittelpunkt der Zusammenarbeit rücken zu wollen.
Deutschland möchte ein strategischer Partner des Pacific Islands Forums werden Das hat insbesondere mit der im September 2025 von den Mitgliedstaaten des Pacific Islands Forums beschlossenen Reform des Partnerschafts-Systems zu tun, das insbesondere regelt, welche Länder als Gäste zu den jährlichen Treffen der wichtigen Regionalorganisation eingeladen werden. Zukünftig sollen alle Staaten – auch diejenigen, die wie Deutschland seit 2019 bereits im bisherigen System als Partner gelistet waren – sich um eine Partnerschaft „bewerben“ müssen und werden dann entweder als „strategische Partner“ oder „sektorale Partner“ eingestuft. Kriterien, um zur „Premium-Kategorie“ der strategischen Partner zu gehören und auch zukünftig umfassend eingebunden zu sein, sollen insbesondere die sektorübergreifende Zusammenarbeit mit dem gesamten Pazifik (nicht nur mit einzelnen Staaten), die Fokussierung der Zusammenarbeit auf von den Pazifik-Staaten festgelegte Prioritäten wie den Klimawandel und die Unterstützung pazifischer Ansätze und Initiativen wie der Pacific Resilience Facility sein.
Bei seinem Besuch in Tonga hat Wadephul nun erstmals offiziell zum Ausdruck gebracht, dass Deutschland den Status eines „strategischen Partners” des Pacific Islands Forum anstrebt. Unter anderem forderte Wadephul in Tonga ein stärkeres und „flexibleres“ Engagement der EU im Pazifik, versprach, dass Deutschland seinen weltweiten Einsatz für Multilateralismus und Klimaschutz zukünftig noch besser mit seinen pazifischen Partnern abstimmen will, und sagte, dass Länder wie Tonga „von ihren Partnern erwarten, dass sie handeln und nicht nur dieselben Werte teilen” – allesamt Aussagen, die sich deutlich an dem orientieren, was bisher als Kriterien für die strategische Partnerschaft bekannt ist.
Wie wird das deutsche Engagement im Pazifik gesehen?
Während Deutschland auf internationaler Ebene etwa bei der Klimapolitik schon lange eng mit den pazifischen Inselstaaten zusammenhängt, bleibt auch nach dem Besuch von Wadephul die Frage, wie sehr das verstärkte deutsche Engagement im Pazifik bereits wahrgenommen und ob Deutschland im Pazifikraum tatsächlich als ein solcher „handelnder” Partner mit themenübergreifender Zusammenarbeit mit der gesamten Region gesehen wird. Das gilt insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmend lückenhaften Klimapolitik der aktuellen Bundesregierung. Klar ist: neben Deutschland gibt es eine Vielzahl weiterer Staaten, die im Pazifik aktiv sind und sich in der Rolle strategischer Partner sehen – viele von ihnen mit einer deutlich größeren Sichtbarkeit als Deutschland. Wie schon bei den früheren Besuchen Baerbocks fällt auch beim aktuellen Wadephul-Besuch wieder auf, dass dieser in pazifischen Medien wenig Erwähnung findet. Dennoch: Der Besuch ist ein wichtiger Schritt und ein wichtiges Signal für die zukünftige Zusammenarbeit – gerade auch deshalb, weil er andere Themen in den Fokus gerückt hat als die vielerorts derzeit die Diskussionen bestimmenden geopolitischen Machtkämpfe in der Region. Genau das kann ein strategischer Vorteil Deutschlands im Pazifik werden.
