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Tanz der Masken
Sonntag, 01.04.2007, 11:00 Uhr bis Dienstag, 01.07.2008, 23:59 Uhr
Ausstellung im Lindenmuseum Stuttgart
Tanz der Masken: Interims-Ausstellung in der Ozeanien-Abteilung des Linden-Museums, Eröffnung: 1. April, 11 Uhr
Das Linden-Museum Stuttgart zeigt ab 1. April 2007 in der Ozeanien-Abteilung die Ausstellung „Tanz der Masken“. Die Ausstellung wird am Sonntag, 1. April um 11 Uhr im Rahmen einer Führung der Kuratorin Dr. Ingrid Heermann eröffnet.
Die Übergangszeit bis zu einer neuen Dauerausstellung hat die Ozeanien-Abteilung genutzt, um sich näher mit dem Thema „Masken“ zu beschäftigen. Vor allem in Melanesien sind Auftritte von Maskentänzern oder Maskenkostümen Höhepunkt vieler Rituale: Die oft geheime Gestalt der Maske verkörpert außermenschliche Qualitäten und die jenseitige Macht von Schöpferwesen, Ahnen oder Geistern, die durch solche Auftritte als lebendig und gegenwärtig erfahren werden.
Maskenpräsentationen sind wesentlicher Teil der Initiation, reproduzieren Schöpfungsgeschehen, begleiten Tote auf ihrem letzten Weg oder verkörpern die ungezähmte Kraft von Buschgeistern, die in dieser Gestalt kontrollierbar werden. An Hausfassaden oder Booten befestigt zeugen Masken von der Lebendigkeit dieser Objekte, an Netztaschen befestigt oder auf Schilden dargestellt versprechen sie Schutz.
Die zur Herstellung verwendeten Materialien sind vielfältig: Fasergeflecht und Baumbaststoff, Holz, Baummark, Rotang und Bambus werden zu Kostümen verbunden, deren Form lokaler Tradition verpflichtet ist. Zusätzlicher Schmuck aus Blättern, Blüten, Federn und Schmuck vervollständigt das Bild.
Masken werden fast immer im Geheimen von eingeweihten Experten gestaltet, die neben Kreativität und Inspiration auch das Wissen um die entsprechenden Rituale mitbringen. Auch wenn Masken öffentlich und vor großem Publikum auftreten, wird ihr „technologisches“ Geheimnis streng gehütet. Aus Sicht der Uneingeweihten werden viele Masken nicht von Menschen geschaffen, sondern von Muttermasken „geboren“ oder hervorgebracht – analog sterben nach sie nach ihren Auftritten einen rituellen Tod oder fallen in Schlaf. Aber auch
Masken, die nach einem Auftritt bis zum nächsten Fest aufgehoben werden, können nicht beliebig und unvorbereitet getanzt werden: Rituelle Vorbereitungen und Konzentration seitens des Trägers sind notwendig, um den unmittelbaren Kontakt zu ihnen unbeschadet zu überstehen. Bei den Auftritten verschmelzen die Masken - manchmal nur für einen kurzen Moment - mit dem Körper des Trägers oder Tänzers zu einer neuen, bedeutungsvollen, übermenschlichen Identität, die verborgene Kräfte und Zusammenhänge enthüllt, Emotionen hervorruft und Überzeugungen bestätigt
In Ausstellungen können solche Prozesse und Auftritte nur medial verdeutlicht werden – Filmauschnitte und Fotos sollen dazu anregen, sich die Kostüme und Masken, zumeist auf Augenhöhe präsentiert, in Bewegung und Tanz vorzustellen, zusammen mit den oft unverzichtbaren Attributen wie Speeren, Tanzrasseln, Trommeln etc.
Häufiger als ganze Kostüme sind in der Sammlung die „festen“ Bestandteile eines Maskenkostüms, nämlich die häufig aus Holz gestalteten Gesichtslarven, überliefert, die uns mit unterschiedlichen Auffassungen von Maskengesichtern und Maskenausdruck konfrontieren. Seriell angeordnete Masken aus den begrenzten Stilregionen des Sepik und Ramu laden ein zu vergleichender Betrachtung und verdeutlichen die stilistischen Besonderheiten eines jeden Formenkanons und deren künstlerische Umsetzung.
Dient der Auftritt der Masken vor allem der Verdeutlichung kosmischer Kräfte und Zusammenhänge, sind Tanzfeste, an denen geschmückte Männer und Frauen beteiligt sind, eher Ausdruck gesellschaftlicher Zusammenhänge. Als Beispiel für solche Tanzfeste zeigen wir in der Ausstellung Fotos des Sia-Tanzes der Kilenge, aufgenommen von Denk van Groningen bei einem Feldaufenthalt 1966.
Das Thema Masken schließlich wäre nicht komplett ohne den Blick auf solche Masken, die nicht getragen, sondern vordergründig als Schmuck verwendet wurden: Masken sind die „Augen“ der Männerhäuser am Sepik, an den Vordersteven der großen Männerkanus befestigt schützten sie die Besatzung bei Kopfjagdzügen, und als Schmuck der heiligen Flöten schließlich markieren sie diese als lebendige Stimmen der Ahnen.
Öffnungszeiten: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr Mi., 10 bis 20 Uhr, Eintritt: € 3,-/2,- inkl. Dauerausstellungen
Linden-Museum Stuttgart, Hegelplatz 1, D-70174 Stuttgart, Tel. ++49/(0)711/2022-444, Fax: ++49/(0)711/2022-590
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