Jahrestagung und Mitgliederversammlung 2019: Lange Schatten der Kolonialzeit

1. - 3. März 2019 in Passau

JAHRESTAGUNG DES PAZIFIK-NETZWERKS E.V. UND ÖSTERREICHISCH-SÜDPAZIFISCHERGESELLSCHAFT (OSPG) mit Mitgliederversammlung des Pazifik-Netzwerks und Generalversammlung der OSPG

Auch wenn das Gebiet der heutigen pazifischen Inselstaaten erst relativ spät in das Blickfeld Europas gelangte, so waren die Auswirkungen der europäischen Kolonisierung nicht weniger tiefgreifend als in Afrika, Asien oder Südamerika. Ein überwiegend romantisierendes Bild der „traumhaften Südsee“, welches heute in Tourismuskatalogen zu finden ist und früher von europäischen Seefahrern verbreitet wurde, steht dabei in krassem Gegensatz zu den Erfahrungen von Landnahme, Zwangsarbeit, Entrechtung und bis heute nachwirkenden ge
sellschaftlichen Umwälzungen.

Der Entkolonialisierungsprozess in den pazifischen Inselstaaten führte zur Bildung von neuen Staaten und Gesellschaften. Das auf den Plantagen entstandene Pidgin entwickelte sich weiter und setzte sich vielerorts als eine neue Verkehrssprache durch. Auch die Ausbreitung des Christentums brachte zahlreiche tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Durch Verbote kam die indigene Segelschifffahrt zum Erliegen, der kulturelle Austausch in der Region wurde nachhaltig geschädigt. Altes Wissen, sozio- kulturelle Praktiken und Sprachen gingen verloren und werden erst in den letzten Jahren wieder zunehmend gefördert und gepflegt, indigene gesellschaftliche Strukturen veränderten sich.

Noch immer setzen alte und neue Kolonialmächte ihre Interessen mit militärischer und wirtschaftlicher Macht durch. Beleg dafür sind zum Beispiel der US-amerikanische Militärstützpunkt auf Guam oder das australische Flüchtlingslager auf Nauru.

Sechs von siebzehn Gebieten auf der von den Vereinten Nationen veröffentlichten Liste der noch nicht entkolonialisierten Territorien liegen im Pazifik. In Neukaledonien war die Bevölkerung am 4. November 2018 aufgerufen über die Unabhängigkeit von Frankreich abzustimmen, doch ist der Entkolonialisierungsprozess auch hier noch nicht abgeschlossen.

Durch die unter der Bezeichnung „Blackbirding“ bekannte Verschleppung von Küstenbewohnerinnen und -bewohnern und eingeschleppte Krankheiten wurden ganze Landstriche und Inseln weitgehend entvölkert. Die Krebsraten in den nuklearen Testgebieten sind noch heute sehr hoch. Neben individuellen Schicksalsschlägen mussten die Bewohner der pazifischen Inseln die Einführung moderner Wirtschaftsund Geldpolitik mit Folgen für die traditionellen Sozialstrukturen bewältigen. Dieser Anpassungs- und Veränderungsprozess ist vielerorts noch lange nicht abgeschlossen.

PROGRAMM:

Freitag, 1. März 2019
15.30 Uhr: „Zukünftige Veranstaltungsformate“ – Informeller Austausch und Ideensammlung zur zukünftigen Arbeit des Pazifik-Netzwerks und der Erreichung neuer Zielgruppen (optional)
17.00 Uhr: Beginn der Mitgliederversammlung des Pazifik-Netzwerks
18.00 Uhr: Abendessen
19.30 Uhr: Fortsetzung der Mitgliederversammlung
20.30 Uhr: Gemütliches Beisammensein mit Cocktails, Tanz und Musik

Samstag, 2. März 2019
8.00 Uhr: Frühstück
9.00 Uhr: Fortsetzung der Mitgliederversammlung des Pazifik-Netzwerk (Programmplanung 2019/2020, Vorstandswahlen) und Generalversammlung der OSPG mit Programmplanung
12.00 Uhr: Mittagpause
13.00 - 13.15 Uhr: Begrüßung durch Prof. Dr. Matthias Kowasch (Pädagogische Hochschule Steiermark/ Pazifik-Netzwerk e.V.), Carsten Klink (Pazifik-Netzwerk e.V.) & Präsidentin Dr. Elisabeth Worliczek (OSPG)
13.15 - 14.15 Uhr: Prof. Dr. Hermann Mückler (Universität Wien; OSPG): Herausforderung, Bürde, Legitimation, Verklärung - Koloniales Erbe und seine herausfordernden Potentiale, anhand mehrerer Fallbeispiele aus Ozeanien
14.15 - 15.15 Uhr: Dr. Helga Schwarz (Pazifik-Netzwerk e.V.): Die Gefährdung der traditionellen Gesellschaften im Pazifik
15.15 - 16.00 Uhr: Kaffeepause
16.00 - 17.00 Uhr: Dr. Harald Werber (Salzburg): Wahrnehmungen von Kolonialgeschichte
17.00 - 17.30 Uhr: Prof. Dr. Matthias Kowasch (Pädagogische Hochschule Steiermark/Pazifik-Netzwerk e.V.): Entkolonialisierung in Neukaledonien - Diskussion zum Unabhängigkeitsreferendum und Einleitung zum Film „Rebellion“ von Matthieu Kassovitz (Frankreich, 2011)
18.00 Uhr: Abendessen
20.00 Uhr: Kava-Zeremonie und Kinoabend „Rebellion“ (Frankreich, 2011)

Sonntag, 3. März 2019
9.00 Uhr: Pazifischer Morgenimpuls (optional)
9.30 - 10.15 Uhr: Mats Garbe (Pazifik- Netzwerk e.V.): Postkolonialismus, der Pazifik und wir
10.15 - 11.15 Uhr: Dr. Stephanie Walda-Mandel (Überseemuseum Bremen): Das Erbe der Kolonialzeit in deutschen Museen - Objekte aus Ozeanien
11.30 - 12.30 Uhr: N.N. (Erlassjahr.de): Die Verschuldung der pazifischen Inselstaaten
12.30 Uhr: Mittagessen und Abreise

Den Flyer mit dem Programm und allen weiteren Informationen können Sie hier herunterladen.

Weitere Informationen:
Oliver Hasenkamp
Vorsitzender des Pazifik-Netzwerk e.V.
oliver.hasenkamp@pazifik-netzwerk.org

Anmeldung über das untenstehende Formular bis zum 4. Februar oder an:
Stefanie Haagen Pazifik-Infostelle
Stefanie.Haagen@pazifik-infostelle.org
Telefon: 09874 91220

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